Ein Drittel der Deutschen arbeitet ehrenamtlich (Marius Buhl)

Aus Kompetenzportal
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Drittel der Deutschen arbeitet ehrenamtlich (Marius Buhl)
Autor Joachim Winkler
Art Interviewausschnitte
Erscheinungsjahr 2015
Verlag Badische Zeitung 8.August 2015
Hyperlink http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/ein-drittel-der-deutschen-arbeitet-ehrenamtlich--109366788.html
Reihe

These 3:

Die 68er werden 68 – und das Ehrenamt wird einen Boom erleben.

Die Generation der 68er ist politischer als jede andere zuvor, auch gebildeter. Zudem sind die 68er es gewohnt, hart zu arbeiten – und sie sind deutlich fitter als ihre Vorgänger. Wenn diese Generation nun in Rente geht, ist vor allem eins zu erwarten: Dass sie sich nicht aufs Sofa setzt, um auf den Lebensabend zu warten, sondern einen Ausgleich sucht. Der Soziologe Joachim Winkler von der Universität Wismar hat über das Ehrenamt promoviert. Er sagt: "Es ist ein Paradoxon in der Ehrenamtsforschung: Diejenigen, die ohnehin zu viel zu tun haben, übernehmen häufiger Ehrenämter als diejenigen mit Zeit. Wer also sein Leben lang hart gearbeitet hat – und zudem politisch reflektiert und kritisch ist – wird sich wahrscheinlich auch in Rente engagieren." Tritt das so ein, könnte das Ehrenamt einen kleinen Boom erleben. Betätigungsfelder gibt es genug...

These 4:Das Ehrenamt übernimmt immer öfter Aufgaben, die der Staat erledigen sollte. Das ist gefährlich.

... Der Soziologe Joachim Winkler findet den generellen Ruf nach Professionalisierung unsinnig. Er sagt: "Warum ein System verändern, das funktioniert? Wenn die Leute freiwillig arbeiten wollen, ist das doch gut. Das spart Geld, das an anderer Stelle dann da ist." Eine Staatspflicht gebe es laut Winkler erst, wenn sich dafür niemand mehr finde – oder das Thema so groß und kompliziert werde, dass es professionell angegangen werden müsse. "Dann fungiert das Ehrenamt als Impulsgeber." So geschehen sei das in den vergangenen Jahren in der Aids-Beratung, im Kampf gegen Drogen und in der Jugendarbeit.

These 5: Die Motivation, ehrenamtlich zu arbeiten, wird kaum nachlassen.

Es ist die vielleicht spannendste Frage: Warum opfern Frauen und Männer ihre freie Zeit an Tätigkeiten, die ihnen anscheinend nichts einbringen? Ist es purer Altruismus? Oder ist auch Egoismus ein Motiv? Wohl sind beide Motive ausschlaggebend. Dafür spricht ein Prozess, den Joachim Winkler erklärt: "Wird jemand Neues gebeten, ein Amt zu begleiden, ziert er sich stets zu Beginn. In ein Ehrenamt wird man immer gebeten – selten übernimmt jemand ohne fremdes Einwirken ein Amt."