Multisensorische Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden - Strategien zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

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Multisensorische Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden - Strategien zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
Autor Antje Bernier
Art Dissertation
Erscheinungsjahr 2011
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Dem Denkmodell der UN-Behindertenrechtskonvention muss Zugang in die Architektur verschafft werden. Barrierefreies Planen und Bauen betrifft uns alle in unterschiedlichen Lebenssituationen und berücksichtigt die Erfordernisse des Demografischen Wandels. In der baufachlichen Wahrnehmung ist zwar eine Grundtendenz zur Barrierefreiheit vorhanden, offensichtlich gibt es jedoch nur wenige aktuelle und systematische Untersuchungen und keine verwendbaren Überprüfungsmechanismen zum Stand der Umsetzung der Barrierefreiheit im Bereich Bauen und Wohnen. Vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention setzt die Forschungsarbeit im Zeitraum 2008-2011 an. Methodische Untersuchungen zum Stand der Umsetzung des Artikels 9 der UN-Behindertenrechtskonvention gibt es in Deutschland noch nicht. Untersucht wurden Gebäude mit öffentlichen Nutzungen, denn sie haben Vorbildfunktion und ihre Gestaltung steht daher im be-sonderen öffentlichen Interesse. Stichprobenartige Untersuchungen und ergänzende Interviews geben in harten und weichen Fak-toren Aufschluss über systematische Störungen der Grundtendenz zur Barrierefreiheit. Mit der Checkliste können nicht nur die Defizite eines bestehenden Gebäudes heraus gearbeitet, sondern systematisch Maßnahmen zur Beseitigung und eine Prioritätenliste abgeleitet werden. Nutzbar ist die Checkliste in der Planungsphase auch als Prüfkatalog. Durch vier Untersuchungsreihen zwischen 2007 und 2010 wurde für öffentliche Gebäude nachge-wiesen, dass die barrierefreie Grundtendenz systematisch gestört wird. Strategisch entscheidend für eine erfolgreiche Kommunikation von Defiziten und Maßnahmen zur Umsetzung der Barrierefreiheit ist nach den Erfahrungen aus der Untersuchung der Schutz der objekt- und personenbezogenen Daten. Für die Veröffentlichung der Ergebnisse wurden konsequent alle personen-, behörden- und bürobezogenen Daten der Objekte anonymisiert. Durch den Vergleich wurde heraus gearbeitet, dass die Probleme in allen Fällen ähnlich gelagert sind. Es handelt sich bei den festgestellten Defiziten offensichtlich nicht um Einzelfälle, sondern um Wiederholungen und damit um prinzipielle Abweichungen vom Sollzustand. Die Umsetzung der Barrierefreiheit weist viele Defizite auf und es konnte herausgearbeitet werden, dass die Anforde-rungen durch Wahrnehmungseinschränkungen weniger erfüllt werden, als die von motorischen Einschränkungen. Gezeigt wurde, dass die Anforderungen an die Barrierefreiheit bei neueren Ge-bäuden für die Erfordernisse der Gruppe der motorisch eingeschränkten Menschen, wie Rollstuhl-fahrer und Gehbehinderte, zwar nirgends vollständig, aber zu großen Teilen erfüllt wurden. Die Erfordernisse der blinden und sehbehinderten sowie der gehörlosen und hörgeschädigten Men-schen wurden weniger gut erfüllt. Maßnahmen für Menschen mit motorischen Einschränkungen werden insbesondere für Gehbehinderungen nicht grundsätzlich umgesetzt. Bei älteren Gebäuden ist diese Bilanz deutlich schlechter, aber mit ähnlichen Verhältnissen ausgefallen. Die nachhaltige Umsetzung von Barrierefreiheit beim Planen und Bauen erfordert eine Bewusst-seinsänderung im gesamten Gesetzgebungs-, Lehr-, Planungs- und Bauprozess, die mit dieser Arbeit unterstützt werden soll.