Unterversorgung von Vorhofflimmer-Patienten mit oralen Antikoagulanzien in Deutschland

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Unterversorgung von Vorhofflimmer-Patienten mit oralen Antikoagulanzien in Deutschland
Autor Antje Groth, F Halder, Andreas Fuchs, Ulf Maywald, Thomas Wilke
In: Kardiologe (Der Kardiologe)
Ausgabe
ISBN/ISSN: 10.1007/s12181-015-0005-9
Erscheinungsjahr 2015
Jahrgang 9
Seitenzahl 379-392
Hyperlink https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs12181-015-0005-9
Review

Zusammenfassung

Hintergrund und Ziel

Eine orale Antikoagulation (OAK) mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) oder neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) wird nach deutschen und internationalen Leitlinien für Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) und hohem Schlaganfallrisiko (CHA2DS2-VASC > 1) empfohlen. Ziel des Reviews ist es, die bisherige Evidenz zum Ausmaß an OAK-Unterversorgung von VHF-Patienten in Deutschland sowie potenzielle Gründe für eine bestehende Unterversorgung systematisch darzustellen.

Methode

In Bezug auf das Ausmaß an OAK-Unterversorgung erfolgte eine Auswertung der deutsch- und englischsprachigen Literatur, die das deutsche Versorgungsumfeld thematisierte. Bei der Ermittlung von Ursachen für OAK-Unterversorgung wurde mangels deutscher Daten die gesamte relevante internationale Literatur in die Übersicht einbezogen.

Ergebnisse

Es wurden 4 Beiträge, die sich dem Thema der OAK-Unterversorgung von VHF-Patienten in Deutschland widmeten sowie 87 Publikationen, die Ursachenfaktoren für OAK-Unterversorgung thematisierten, identifiziert. Etwa 50 % der in Deutschland behandelten VHF-Patienten sind von OAK-Unterversorgung betroffen. OAK-Unterversorgung ist dabei ein Versorgungsdefizit, das auf multivariate Ursachenfaktoren zurückzuführen bzw. mit unterschiedlichen Faktoren assoziiert ist. Dabei können 4 wesentliche Gruppen von Ursachenfaktoren mit einigen dominierenden spezifischen Ursachen unterschieden werden: patientenbezogene medizinische Faktoren (frühere Blutungen und Blutungsrisiko, Sturzgefahr, Krebserkrankungen, paroxysmales VHF statt permanentes/persistierendes VHF), allgemeine Charakteristika von Patienten (hohes Alter, Non-Adhärenz), arztassoziierte Faktoren (Arztwissen und arztseitige Nutzeneinschätzung der OAK) sowie sonstige, i. d. R. im Versorgungsumfeld der Patienten befindliche Faktoren (Logistik, u. a. im Kontext der „Internal-normalized-ratio“(INR)-Kontrollen).

Schlussfolgerung

Eine korrekte OAK-Versorgung von VHF-Patienten stellt eine große Herausforderung dar. Versorgungsprogramme, die die OAK-Versorgung von VHF-Patienten zu optimieren versuchen, sollten die Multivariabilität der Ursachen der Unterversorgung beachten.